30 Jahre Mandoki Soulmates  

Mit einem großen Open-Air-Konzert feierten die Mandoki Soumates am vergangenen Freitagabend (19. August) vor vielen tausend begeisterten Menschen in Budapest inmitten des historischen Burgviertels den Start in ihr Jubiläumsjahr „30 Jahre Soulmates“. 

Mandoki Soulmates

Zu diesem ganz besonderen Anlass spielte Bandgründer, Produzent, Schlagzeuger und Sänger Leslie Mandoki mit einem Großaufgebot an Soulmates, allesamt Rock- und Jazz-Ikonen von Weltrang wie Nick van Eede, Al Di Meola, Mike Stern, Randy Brecker, Till Brönner, Richard Bona, Tony Carey, Deobrat Mishra, Fausto Beccalossi und der Budapester Jazz- und Romamusik-Legende Szakcsi. 

Mandoki, obwohl längst eine Instanz in der internationalen Musikszene, ist damals wie heute renitenter Rebell, der seine Stimme erhebt für Frieden in Europa und der Welt, für Freiheit, für eine generationsgerechte Gesellschaft und der sich immer wieder mit deutlichen Worten wie "Stoppt diesen Wahnsinn, sofort", zu aktuellen weltpolitischen Geschehnissen äußert. Die Soulmates als weltumspannende, cosmopolitische musikalische Wertegemeinschaft bringen in ihrem Konzertprogramm „Utopia forRealists“ auch viele dieser gesellschaftspolitischen Themen zur Sprache und zündeten dazu am Freitagabend ein wahres Feuerwerk der Lebens- und Spielfreude.  

Wer das Glück hatte vor Ort zu sein, konnte dann auch das grandiose Zusammenspiel dieser Musikerlegenden von Leslie Mandokis Band der Bandleader auf der extra für das Konzert angefertigten Bühne bestaunen. Etwa wenn sich Gitarrengroßmeister Mike Stern und Al di Meola mit ausgedehnten Soli duellieren, wenn die legendäre Soulmates Hornsection mit Randy Brecker, Till Brönner mal avantgardistisch, mal knackig groovig mitreisst, oder diese hochdekorierten Solisten miteinander um die Wette improvisieren.

Als Sänger traten Nick van Eede sowie Leslie Mandoki höchstselbst und Tony Carey mit charaktervollem Timbre und viel Gefühl hervor, unterstützt von Richard Bona, der mit wunderbaren Gesangsvokalisen und sogar einem bekannten Volkslied auf Ungarisch aufhorchen ließ. Und schließlich waren da noch die vielfarbigen, atmosphärischen Klangmalereien, die neben Tony Carey an der Hammond und Richard Bona am Bass auch Fausto Beccalossi am Akkordeon, Sitarvirtuose Deobrat Mishra undSzakcsi, der ungarische Großmeister des Jazzklaviers in den Budapester Nachthimmel zauberten.

Bei ihrem Jubiläumskonzert spielten die Soulmates auch zum Abschluss noch einmal ihre auf Themen von Béla Bartók basierende Progressive-Jazz-Rock-Suite „Hungarian Pictures“ und sorgten damit für Gänsehautmomente und frenetische Beifallsstürme bei den Musikliebhabern aller Couleur. Die Soulmates demonstrierten auf ihre ganz besondere Art diese verbindende Kraft auch auf der Bühne, wenn weltberühmte Musiker aus Amerika, Indien, Afrika, England, Ungarn und Italien gemeinsam Bartók spielen.

Auch die Wahl des Veranstaltungsortes in Mandokis Geburtsstadt Budapest birgt eine tiefe Symbolik für dieses Jubiläum, wie der Soulmates-Erfinder selbst erklärt: „Ich freue mich, 30 Jahre Soulmates hier in meiner Geburtsstadt zu feiern, wo auch alles seinen Anfang nahm und die Vision von einer Band wie dieser, die ProgRock und JazzRock vereint, überhaupt entstanden ist. Damals im Budapester „Underground“ während der kommunistischen Diktatur Anfang der Siebziger Jahre in dunklen Proberäumen mit unzensierten Texten war die Geburtsstätte dieser Konzeption. Gewissermaßen schließt sich also auch für die Soulmates hier ein Kreis.“
 Als 20-Jähriger spielte Mandoki mit seiner damaligen Band „JAM“ im Rock Klub am Bem Rakpart, wo die Soulmates vergangene Woche 4 Tage lang für ihr Jubiläum geprobt haben, nur einen Steinwurf von der jetzigen Konzertbühne entfernt. Es war der wirkliche Budapester „Underground“, Brutstätte der intellektuellen studentischen Opposition gegen Zensur, Bespitzelung und für Reisefreiheit. Musikalisch war Mandoki beeinflusst durch die großen britischen ProgRock Bands dieser Zeit, wie Jethro Tull, ‚Emerson, Lake & Palmer‘, die frühen Genesis, Yes oder Supertramp. Intellektuelle, poetische, gesellschaftspolitisch relevante Texte, kompositorisch großartige Werke mit spannenden harmonischen Strukturen, ausgefeilte Produktionen mit individuellen Persönlichkeiten an den Instrumenten. Das alles beeindruckte Mandoki sehr. Doch „was ich vermisste waren die Virtuosität und die solistische Brillianz, die ich an der New Yorker Jazz-Rock-Szene so liebte. Gerade bei Miles Davis‘ Bitches Brew und all den Formationen, die sich in der Folge daraus entwickelten, wie Mahavishnu Orchestra, Return to Forever oder später den BreckerBrothers“, erzählt Mandoki.

„Ich habe schon damals bei JAM versucht, beides zu fusionieren, also die Wertigkeit des Britischen ProgRock und des amerikanischen JazzRock miteinander zu verschmelzen. Das war meine Vision.“
Nachdem Mandoki mit seiner Band als musikalisches Sprachrohr der studentischen Opposition im stalinistischen Ungarn leidvolle Erfahrung mit Zensur und Auftrittsverboten machen musste und ihm mitgeteilt wurde, dass er niemals einen Reisepass erhalten würde, reifte 1975 der Entschluss zur Flucht um seine künstlerische Vision in Freiheit zu verwirklichen. Mit einer abenteuerlichen Flucht durch den Karawanken-Tunnel überwand Mandoki den Eisernen Vorhang und landete schließlich im Zentrallager für Asylbewerber im bayerischen Zirndorf. Als Mandoki bei der Aufnahme des Asylantrags nach seinen Plänen gefragt wurde, gab er zu Protokoll, dass er gemeinsam mit seinen musikalischen Heroes Jack Bruce (Cream), Ian Anderson (Jethro Tull) und Al Di Meola musizieren wolle. Zu dieser Zeit waren die genannten Musiker auf dem Peak ihrer Karriere, verkauften Millionen Schallplatten und spielten in vollen Stadien und riesigen Konzerthallen. Entsprechend verdutzt und ungläubig guckte ihn der Beamte an.

„Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben!“ Das hatte ihm sein Vater Jahre zuvor am Sterbebett mit auf den Weg gegeben. Und Mandoki hielt sich daran. Es sollte zwar noch einige Jahre dauern, aber 1992, vor drei Jahrzehnten war es dann tatsächlich soweit:

Mandoki brachte erstmals die Größen des Jazz und Rock für die Produktion eines gemeinsamen Albums zusammen. Gründungsmitglieder waren, man höre und staune, Ian Anderson, Jack Bruce, Al Di Meola sowie David Clayton-Thomas (Blood, Sweat & Tears), Bobby Kimball (Toto), Mike Stern, Anthony Jackson, Bill Evans, Randy und Michael Brecker. Für den ersten veröffentlichte Song „Mother Europe“ erhielt die Band, anschließend den ARD Preis „Goldene Europa“, bezeichnenderweise wurde die Sendung in Budapest aufgezeichnet. Und auch ihr erstes große Live-Konzert spielte die Band in der Donau-Metropole beim Sziget/Eurowoodstockfestival 1994 vor 40.000 begeisterten Zuschauern. 

Seither entwickelte sich Mandokis Jazzrock-Projekt unter dem Namen MANDOKI SOULMATES zu einer weltweit einmaligen Band aus Bandleadern mit bis heute 11 gemeinsamen Alben mehreren Live-DVDs und Blu-rays. Auch in zahllosen Konzerten von New York bis Shanghai, von Sao Paulo bis Miami und in europäischen Metropolen von London bis Paris konnte man die unbändige Spielfreude und Virtuosität der Soulmates live erleben. So adelte die Süddeutsche Zeitung Leslie Mandoki vor einigen Jahren zurecht tiefsinnig als „Der mit den Helden spielt!“

Im Laufe der Jahre kamen viele weitere legendäre Musikgrößen zu den Soulmates wie Chris Thompson (Manfred Mann’s Earthband), John Helliwell (Supertramp), Nick van Eede (Cutting Crew), Greg Lake (Emeron, Lake & Palmer), Tony Carey (Rainbow), Richard Bona, Cory Henry, Steve Lukather (Toto) oder Chaka Khan, die Mandoki immer als „the only girl in our Boyband“ bezeichnet. Auch einige herausragende deutsche Musiker, wie Peter Maffay, Klaus Doldinger und Till Brönner spielen seit Jahren auf allen Alben und bei Konzerten.

Mandoki lässt seine „Helden“ im Studio und auf der Bühne musikalisch ganz sie selbst sein, was die Soulmates auch entsprechend goutieren: So verglich ihn Jack Bruce wegen seiner Fähigkeit schon beim Schreiben der Musik genau zu wissen, wer später was spielen wird gar mit Duke Ellington. 

Über all dem steht Leslie Mandokis Vision, mit den Soulmates progressiven Jazzrock wieder zu gesellschaftspolitischer Relevanz zu führen. „Die Mandoki Soulmates sind keine Verwalter von Welthits, wir sind eine frische Band voll schöpferischem Tatendrang.“, sagt Mandoki. Für ihn ist Musik seit jeher Ausdruck von Freiheit. Seine musikalische Vision der Freiheit in der Einheit von Form und Inhalt. Den eigenen Werten treu bleiben, sich nicht von Genrezwängen und Zeitgeistströmmungen verbiegen lassen. Mit intellektuellen, poetischen Texten Stellung zu gesellschaftspolitischen Veränderungen zu beziehen. Kunst als Stachel im Fleisch einer Gesellschaft sein.

Die Soulmates als musikalische Wertegemeinschaft und als musikalische Rebellen fühlen sich auf den Plan gerufen, um ihre Stimmen zu erheben. „Dabei“, so Mandoki, „reklamieren wir nicht die allein objektive Wahrheit für uns, sondern versuchen einfach authentisch, integer, ehrlich zu sein und Antworten auf Herausforderungen unserer Zeit zu geben. Diesen Spirit versuchen wir an die nächste Generation weiterzugeben. Denn für die „Young Rebels“ gibt es leider viel zu viel zu tun in Zeiten von Klimawandel, vermüllten Meeren, Welternährungsfragen, atomarer Wiederaufrüstung und dem Wiedererwachen von Rassismus, Antisemitismus und Spaltung. 

Leslie Mandoki und seine Soulmates werden auch nach 30 Jahren nicht müde, ihre Stimme zu erheben. Im Gegenteil, die Old Rebels sind lauter als je zuvor und werden mit Verlaub auch musikalischimmer besser, wie ein guter Wein. Und wie nicht anders zu erwarten, schmiedet Mandoki bereits neue Pläne.
„Mit der Kraft der gemeinsamen dreißig Jahre und der Energie und Verve unserer Teenagerträume werden wir hoffentlich noch viele Konzerte spielen und mit viel Freiraum für Improvisation und virtuose Spielfreude ‚Utopia for Realists‘ gemeinsam mit unserem Publikum feiern. Gleichzeitig arbeiten wir aber schon mit derselben Kraft an unserem neuen Album und an unserem Tour Programm für 2023.“

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