Offener Brief zum geplanten Konzert der Band Rammstein an Silvester 2022 auf der Theresienwiese

Offener Brief
Dringliche Bitte zu einem Dialog zur Vergabe von Orten und Plätzen für Open-AirVeranstaltungen
 

vdmk

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Reiter,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Habenschaden,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Dietl,
sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats,

der VDMK e.V. wurde 1996 gegründet und vertritt über 110 Hallenbetreiber*innen, Konzert- und Kulturveranstalter*innen sowie Veranstaltungsagenturen aus den Bereichen Club, Klassik, Theater, Film und Eventmanagement, die zusammen das Ziel verfolgen, München als lebendige Kulturmetropole mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot weiterzuentwickeln. Die Vielfalt der Mitglieder von Klassik über Clubkultur bis Film, von Großveranstaltern bis zu Ehrenamtlichen ist einmalig in Deutschland und ermöglicht uns ein großes Fachwissen für die Belange und Bedürfnisse der Kulturszene, auch über München hinaus.
Seit vielen Jahren befinden wir uns in einem stetigen konstruktiven Austausch mit den Fraktionen, den
zuständigen Referaten und mit den Ordnungs- und Sicherheitsorganen der Stadt.

Durch diesen Austausch konnten gemeinsame Aktionen wie beispielweise „Nein heißt nein“, „Cool bleiben –
Sicher feiern in München“ und der „Kultursommer in der Stadt“ in den Jahren 2020 und 2021 durchgeführt
werden.

Zudem gab es zu vielen Sachthemen der Veranstaltungsbranche stets gute, verantwortliche und
wertschätzende Diskussionen und vielfältige Lösungen.

Ein Thema war wiederkehrend: das knappe Platz- und Raumangebot in der Stadt. Für den Teilbereich der
Open-Air-Veranstaltungen gab es wiederholt Anfragen des Verbandes, ob zusätzliche Flächen zur Verfügung
gestellt oder die vorhandenen öfter genutzt werden können.

Vordringlich wurden Ersatzflächen für die Zeit der Sanierung des Olympiastadions gesucht, im Blick der
Mitglieder war dabei die Theresienwiese und Flächen der Messe.
Zuletzt hatten wir im Februar 2020 dazu einen Austausch im Referat für Arbeit und Wirtschaft.
Dem Verband wurde von Seiten des Wirtschaftsreferenten eindringlich vermittelt, Großkonzerte sollen auch
weiterhin nur im Olympiastadion stattfinden. Die Olympiapark München GmbH als städtische Tochter sei
stets die erste Wahl.
 

Von Anfragen zur Nutzung der Theresienwiese wurde wegen zu erwartenden Beschwerden durch
anwohnende Bürger*innen und die ablehnende Haltung der zuständigen Bezirksausschüsse abgeraten.
Mit dem Wirtschaftsreferat wurde noch vereinbart, es sollte eine Suche und Identifizierung von weiteren
möglichen Orten für größere Open-Air-Konzerte geben. Das Referat wollte helfen, diese Flächen zu
ermöglichen. Besonders diskutiert wurde die Galopprennbahn in Riem.

Die Messe sollte als möglicher Ausweichort für die Zeit der Sanierung des Olympiastadions möglich gemacht
werden, sollten keine anderen Orte und Lösungen gefunden werden.

Zur großen Überraschung des Verbandes wurden im Sommer 2021 die Pläne zu drei Großkonzerten im Jahr
2022 auf der Messe über die Presse bekannt. Es gab auch Hinweise, es sollten weitere Konzerte in den
Folgejahren auf der Messe stattfinden. Als Veranstalter wurde dabei die „Leutgeb Entertainment Group“
genannt, die zuvor nicht in München veranstaltet hat.

Der Verband hat daraufhin am 11. Oktober 2021 das Wirtschaftsreferat angeschrieben, einen
Gesprächstermin angefragt und das Referat gebeten die zukünftigen Prozesse und Kriterien zur Vergabe von Veranstaltungsflächen für Großkonzerte ab 50.000 Gästen auf dem Messegelände München bekannt zu
geben.

Auf diese Anfrage hat der Verband bis heute keine Antwort.
Stattdessen entnehmen wir erneut der Presse, dass das Wirtschaftsreferat der „Leutgeb Entertainment
Group“ für Silvester 2022 die Theresienwiese für ein Konzert von „Rammstein“ mit bis zu 140.000 Gästen
vermieten möchte.

Für unsere Mitglieder stellt sich die Situation wie folgt dar:
Das Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München fordert die Mitglieder des Verbandes
dazu auf, Großkonzerte nur im Olympiastadion durchzuführen. Sollte die Kapazität nicht ausreichen, sollen
die Konzerte an mehreren Tagen stattfinden. Das haben die Veranstalter*innen bis zum Beginn der Pandemie erfolgreich umgesetzt und Robbie Williams, Helene Fischer, Rolling Stones, Rammstein, … fanden im Olympiastadion statt.

Unterstützt durch das Wirtschaftsreferat konnte eine einzige andere Veranstaltungsgesellschaft
Großkonzerte auf der Messe München durchführen. Diese Veranstaltungsgesellschaft ist somit in die Lage
versetzt worden, einen ungleichen Wettbewerb zu führen.

Das soll sich nun an Silvester auf der Theresienwiese wiederholen.
Während die Vorbereitungen für bis zu vier Konzerte von Rammstein im Olympiapark im Juni 2023 fast
abgeschlossen sind, wird über das Wirtschaftsreferat ein Großkonzert mit Rammstein, das vor diesen
Konzerten stattfinden soll, öffentlich angekündigt, bevor diese Konzerte in den Vorverkauf gehen und bevor
diese Konzerte beworben werden können, was zum Schaden dieser Konzerte ist.
Begründet wird das mit einer herausragenden Bedeutung für die Münchner Wirtschaft.
Der Verband der Münchener Kulturveranstalter stellt dazu fest, dass seit Jahrzehnten von unseren
Mitgliedern unzählige Konzerte von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung für die Landeshauptstadt
München und für einen Nutzen durch die touristische Vermarktung veranstaltet werden.
Außerdem verfügen viele Münchner Konzertveranstalter*innen über ein exzellentes internationales
Renomée und sind ihrerseits in der Lage Konzerte mit mehr als 100.00 Besucher*innen anzubieten und
umzusetzen.

Wie wir der Presse entnehmen wurde das Tollwood (kein Verbandsmitglied), das seit 22 Jahren auf der
Theresienwiese das Wintertollwood und eine Silvesterparty ausrichtet, nicht in die Pläne zu dem Konzert von
Rammstein einbezogen. Es ist offensichtlich, dass Veranstaltungen des Tollwood wie die Gala an Silvester
nicht stattfinden können, sollte dort Rammstein spielen.

Das Tollwood hat 22 Jahre für ein buntes, lebensfrohes Image der Landeshauptstadt gesorgt.
Diese Veranstaltung, eine Münchner Institution, wird ohne Zögern einer Großveranstaltung geopfert.
Der Verband der Münchener Kulturveranstalter ist in großer Sorge, wie mit den Belangen von Münchner
Veranstalter*innen umgegangen wird.

Der Verband der Münchener Kulturveranstalter ist weiterhin sehr an einem konstruktiven Austausch mit der
Landeshauptstadt interessiert und bittet die Verantwortlichen in dieser Stadt um einen Dialog, wie wir zu
einer fairen, transparenten Vergabe von Orten und Plätzen zurück finden, wie ein Wettbewerb ohne
Einflussnahme ermöglicht wird und wie Stadt und Verband gemeinsam das Image der Landeshauptstadt als
Kulturmetropole weiterentwickeln können.
Wir freuen uns auf diesen Austausch mit Ihnen
Für den Vorstand
David Boppert, Louis Grünwald, Anna Kleeblatt und Patrick Oginski

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