musix: Meinen eigentlich viele, besonders deutsche, Journalisten, sie müssten euch mit Grüezi begrüßen?
Hena Habegger: Ab und zu vielleicht noch, aber mittlerweile haben es wohl alle begriffen. Das ist schon o.k., aber etwas zu altbacken.
musix: Zuerst ein paar, nicht alle allzu ernstgemeinte, Schweiz-Fragen.
Hena Habegger: Lass und das Zeug durchziehen!
musix: Hast du "Asterix in der Schweiz" gelesen?
Hena Habegger: Ich weiß, dass es da eine Folge gibt, die ich aber nicht gelesen habe. Asterix und Obelix kenne ich natürlich.
musix: Da werden die ganzen Schweizer Klischees verbraten: Käsefondue, Bankgeheimnis usw.
Hena Habegger: So ist es halt. Das können wir nicht abstreiten. Das ist unsere Kultur.
musix: Isst der Schweizer wirklich so gerne Käsefondue?
Hena Habegger: Eigentlich schon. Im Winter, wenn es draußen kalt ist - Käsefondue mit Freunden und eine Flasche Weißwein - das gehört schon dazu.
musix: Was trinkt man traditionell dazu?
Hena Habegger: Weißwein oder Tee. Wenn du Bier trinkst bekommst du nach ein zwei Stunden ein Problem. Da zieht sich dir der Käse im Ranzen zusammen und du hast einen Klumpen drin. Dann gehst du nur noch Kotzen. Ist mir auch schon passiert.
musix: Also kein Bier?
Hena Habegger: Nein - das ist Selbstmord!
musix: Hast du auch ein Gewehr im Schrank?
Hena Habegger: Nein, da ich ja keinen Militärdienst geleistet habe.
musix: Wie findest du DJ Bobo? Der spielt in Deutschland ja in so großen Hallen wie ihr jetzt zum ersten Mal.
Hena Habegger: Wir kennen uns schon, aber es ist nicht mein Ding. Ein cleverer Geschäftsmann.
musix: Seit ihr inzwischen die größte Rockband in der Schweiz oder ist das immer noch Krokus?
Hena Habegger: In der Schweiz sind auf alle Fälle wir erfolgreicher, als es Krokus je waren. Krokus haben zwar in USA ein paar Alben verkauft... Aber sie hatten schon Erfolg, was ich damals mitgekriegt habe, als ich als Elfjähriger mit auf Tour war. Chris von Rohr, der Bassist von Krokus war mehr oder weniger mein Ziehvater. Mit Krokus bin aufgewachsen.
musix: Wie sieht es bei euch mit US-Ambitionen aus?
Hena Habegger: "Domino Effect" wurde jedenfalls dort released, aber wie gut es sich verkauft hat, weiß ich nicht.
musix: Euer Sound müsste den Amis doch gefallen?
Hena Habegger: Ja klar passt das. Du brauchst halt nur drüben jemand, der sich um alles kümmert. Muss auch Promotion gemacht werden.
musix: Habt ihr schon drüben gespielt?
Hena Habegger: Ja, seinerzeit auf dem "Foundation Forum". Wir könnten natürlich auf Tour gehen, aber in den Clubs zu spielen macht keinen Sinn. Das Land ist so groß. Das rechnet sich nicht. Wir warten auf den richtigen Moment und dann geht das auch. Auf Biegen und Brechen muss es aber wirklich nicht sein. Wir spielen ja hier genug. Die Amerikaner sollen halt hierher kommen - die faulen Hunde.
musix: Nach der Tour als Guest von Deep Purple spielt ihr jetzt als Headliner in so ziemlich den gleichen Hallen.
Hena Habegger: Ganz genau! Unser Veranstalter meint und glaubt, dass das so passt. Wir sind schon gespannt wie groß das wird und ob wir wirklich die Olympiahalle in München füllen. Aber Europe ist ja auch keine schlechte Band.
musix: Von wem stammt die Idee Europe ins Vorprogramm zu nehmen?
Hena Habegger: Auch vom Veranstalter. Die glauben an uns und sind echt super Leute. Und die wollen ja auch kein Geld zum Fenster rausschmeißen.
musix: Wie stehst du zur Musik von Europe?
Hena Habegger: Ich war ein riesen Fan. Ich weiß noch genau, wie ich mir damals "The Final Countdown" reingedrückt habe. Mit zwölf habe ich einen Haufen Geld für einen Walkman ausgegeben und meine erste Cassette war Europe. Ich glaube die Tour mit denen wird superlustig.
musix: Momentan ist es ja sehr beliebt, vor allem bei den Amis, erfolgreiche Platten, die ein Jubiläum haben zur Gänze live zu spielen. "Dial Hard" hat dieses Jahr 15jähriges! Ähnliche Pläne?
Hena Habegger: Ach hör auf! Wir wollen Neues spielen. So was machst du nur, wenn du nicht mehr kreativ sein kannst. Warum sollten wir nur alte Sachen spielen, wo wir doch so viele geile neue haben? Natürlich muss man die Klassiker bringen, aber ich und die Band haben Bock auf neue Sachen.
musix: Jetzt aber zu "Need To Believe". Eure neue CD rockt mit den ersten zwei Nummern ja ganz schön los.
Hena Habegger: Wir wollten sogar erst mit "Right From Wrong" loslegen, aber das war dann zu heftig. Da geht es schon ziemlich zur Sache. Der Ablauf der CD ist aber sehr durchdacht. Das ist nicht mutwillig wie ein Mischprogramm auf itunes oder so was.
musix: Wie schreibt man so geile Hymnen wie "Unspoken Words".
Hena Habegger: Das gibt es kein Rezept, aber bei diesem Song haben wir aber auch richtig rumprobiert. Erst hatten wir einen anderen Refrain. Der Titel hat uns vom ersten Tag begeistert und bis auf den Refrain ist auch fast alles so geblieben. Irgendwann ging uns der Refrain aber auf den Sack und wir haben im Studio noch richtig rumgemacht. Dann hatten wir die Idee mit dem langgezogenen Chor und das passte dann.
musix: Euer Produzent Rich Chicky war nicht am Songwriting beteiligt?
Hena Habegger: Von ihm kam zwischendurch immer wieder Input.
musix: Wie seid ihr denn zu dem gekommen?
Hena Habegger: Der ist zu uns gekommen. Und es hat wirklich wunderbar mit ihm funktioniert. Hätten wir ein Balladenalbum geschrieben, hätten wir wohl einen anderen Produzenten genommen, aber da wir richtig Druck machen wollten, hat es mit Chicky super geklappt. Wir haben ja auch schon selber produziert, aber diesmal wollten wir die Verantwortung dafür abgeben. Und das Resultat ist super und wir sind alle happy.
musix: Machen euch das Internet und Downloads auch zu schaffen?
Hena Habegger: Das ist noch im grünen Bereich, da wir durch unser vieles Touren doch eine sehr treue Fanbase haben. Die jüngeren Bands haben es da schwieriger. Hat ja auch Vorteile, da man über Homepage, YouTube usw. so viele Menschen erreicht.
musix: Twitterst du?
Hena Habegger: Für sowas habe ich gar keine Zeit. Irgendwo hört es bei mir echt auf. Aber Myspace ist wichtig - vor allem als Musikerportal.
musix: Hast du ein Problem damit, im Schatten eures großen Sängers zu stehen bzw. zu sitzen. Es gibt ja Beispiele für Schlagzeuger, die sich unbedingt in den Vordergrund drängeln müssen.
Hena Habegger: Überhaupt nicht! Ich habe einen super Job und ich kann auch noch leben wie ich will. Ich kann ganz normal in den Supermarkt gehen...
musix: Also bewusst fürs Schlagzeug entschieden?
Hena Habegger: Ich habe schon mit drei auf allem rumgeklopft, was da war. Drummer-Klischee halt...
musix: Wenn man sich deine Hobbys Gartenarbeit und Kochen ansieht hat man das Gefühl du bist sehr bodenständig.
Hena Habegger: Gartenarbeit mache ich nicht mehr. Das hab ich abgegeben.
musix: Ist vielleicht deshalb die Musik von Gotthard so bodenständig und ehrlich, weil du und die anderen so seid?
Hena Habegger: Wir sind alle ganz normal. Kein Dummschwätzer oder so... Bei uns ist nichts aufgesetzt. Das ist natürlich und das macht es vielleicht aus.